Impulse von der Kirchenbasis

Priesterlose Eucharistiefeiern gibt es nicht!

Im Aufruf der Pfarrerinitiative, den ich begrüße und unterstütze, heißt es im 4. Punkt:

WIR WERDEN künftig einen Wortgottesdienst mit Kommunionspendung als „priesterlose Eucharistiefeier“ ansehen und auch so nennen.

Diese Formulierung ist allerdings problematisch, wenn auch der gemeinte Inhalt durchaus seine Berechtigung hat. Dazu ein paar Gedanken und Überlegungen:

In der Tat  setzt die Feier der Eucharistie die Anwesenheit eines Priesters voraus. Wer aber ist damit gemeint?

Ich glaube zuallererst geht es um die Gegenwart des EINZIGEN Priesters, den das NT (aner)kennt: Jesus Christus.

Dann ist es das GEMEINSAME Priestertum aller getauften Christen! (also VOR allen konfess. Unterschieden!). Es braucht also mind. 2 od. 3 Getaufte, die sich im Namen Jesu versammeln, um zu beten, zu singen, sein Wort zu bedenken,…  so dass ER in ihrer Mitte gegenwärtig ist.

Sobald also das erfüllt ist, kann man nicht mehr von einer „priesterlosen“ (Eucharistie-)Feier sprechen.

 

Da also alle Getauften am priesterlichen Amt Christi teilhaben, und die Liturgie “mit Recht als Vollzug des priesterlichen Amtes Jesu Christi gilt”.. sodass “jede liturgische Feier als Werk Christi, des Priesters, UND seines Leibes, der Kirche ist” (vgl. II. Vat., SC 7) sehe ich beide Aspekte in solcher Versammlung voll gültig erfüllt.
Diese “volle und tätige Teilnahme des ganzen Volkes ist bei der Erneuerung und Förderung der hl. Liturgie aufs stärkste zu beachten“, sagt das Konzil selbst !(SC 14)

Ich denke die bleibende Basis dafür ist in der Tat die Apostelgeschichte 2. 44ff.
Eine biblische Begründung eines nur zölibatären männlichen Gemeindeleiters, ist jedenfalls zum Scheitern verurteilt.

Der Streitpunkt in der HEUTIGEN Diskussion ist meines Erachtens, das Verhältnis von gemeinsamen Priestertum der Getauften zum “amtlichen bzw. hierarchischen Priestertum” (vgl. LG 10).
Theo-Logisch kann das letztere nur im Dienste des ersteren stehen, da es sonst im Widerspruch zu allem stünde was der Bibel bzw. Jesus heilig ist. Die „Amtspriester“ (bis hinauf zum Papst) sind also in erster Linie dem Volk Gottes unterstellt und nicht umgekehrt. Darum spricht das Konzil richtigerweise von einem „organisch AUFGEBAUTEN CHARAKTER der priesterlichen Gemeinschaft“ (LG 11)

Gebaut wird bekanntlich von unten nach oben – weil sonst alles in der Luft hängt.  ;-)

 Was baut worauf?

Nun würde es den Rahmen eines Kommentars sprengen, hier alle historischen Entwicklungen mit der notwendigen Gründlichkeit zu beschreiben, aber man kann meiner Meinung nach zusammenfassend sagen: die jeweiligen Zeitumstände und die (Macht-)Interessen der handelnden Personen, sind dafür ausschlaggebend, wie dieses Amt jeweils gedacht, und entwickelt wurde.
Die Bibel wurde dazu nicht selten „passend zurechtgebogen“ (z. B. Zölibat)

Welche Umstände sind HEUTE zu beachten?

+ Der Bildungsstand der Bevölkerung: Dieser hat sich enorm verändert. Man kann heute nicht mehr von ungebildeten = unmündigen „Laien“ im Verhältnis zum gebildeten „Klerus“ ausgehen. Dieses problematische Bild bestimmt leider! selbst noch viele Texte des II. Vat.

+ Die Veränderung der Geschlechterrollen: Die prinzipielle Gleichberechtigung von Mann und Frau in allen gesellschaftlichen Bereichen, Funktionen und (Macht-)Positionen ist als Menschenrecht anerkannt. Es kann nicht sein, dass der Bereich „röm. katholisch“ davon ausgenommen wird.

+ Das Verhältnis von Orts- und Weltkirche: Sie stehen in einem geschwisterlichen, gleichberechtigten,  dialogischen Verhältnis zueinander. Synodale Beratungen mit auf Konsens beruhenden Beschlüssen, verbinden alle miteinander. Hierarchisch, absolutistisch von oben nach unten weitergebende Gehorsams-,/Befehlsstrukturen, entsprechen weder dem Geist Jesu noch der Geschwisterlichkeit oder dem Subsidiaritätsprinzip der kath. Soziallehre. Anders gesagt: Kirche lebt von unten nach oben und nicht umgekehrt (s.o.)!

+ „Die Gemeinden sind Subjekte der Seelsorge“ heißt darum auch in den pastoralen Leitlinien der Diözese Linz. Das heißt impliziert auch: Sie tragen die grundlegende Letztverantwortung für ihr Reden und Handeln vor Gott.

+ die Erkenntnisse der Bibelforschung: Diese hat seit dem Konzil erhebliche Fortschritte gemacht. So manche unhinterfragte Behauptung aus der Vergangenheit hat sich als problematisch (Petrusprimat Mt 16 und 18), bzw. als Irrtum herausgestellt. (vgl. Apostelin Junia statt dem Apostel Junias Röm16). Die Bibel als Steinbruch von passenden Zitaten zu den eigenen Argumenten und Interessen heranzuziehen ist passe`. Die Frage was Jesu wollte, bzw. wie er den Willen Gottes in Wort und Tat bezeugt hat, ist als Grundlage heutiger, gemeinsam gesuchter Antworten, als oberste Norm heranzuziehen.

+ Das „Mahlhalten“ insbesondere mit Sündern und Randgruppen ein wesentlicher und daher unaufgebbarer Bestandteil der Botschaft Jesu war, darf als gesichert gelten. Dass das sog. „letzte Abendmahl“ auch in diesem Kontext zu sehen, ja als Höhepunkt der vergebenden Zuwendung Gottes zu verstehen ist, bezeugen die Texte selbst eindrücklich. Vom gemeinsamen Essen jemanden auszuschließen, kann für Jesus wohl nur als „Gotteslästerung“ empfunden werden.

+ Diese „Quelle“ des christlichen Lebens durch „geschlechtsspezifische Barrieren“ am fließen zu behindern, bzw. das Besteigen dieses „Gipfels/Höhepunkts“ des Glaubens  durch „zuwenig amtliche BergführerInnen“ zu verhindern, kann wohl nie und nimmer als mit dem Willen Gottes vereinbar erscheinen. (vgl. LG 11, SC10)

 

            + Soziologisch und praktisch brauchen menschliche Gemeinschaften Regeln und Dienste, die das Zusammenleben erleichtern. Leitungsfunktionen sind ein Teil davon. Daher sind diese Leitungsdienste so zu gestalten, dass Sinn, Ziel und Auftrag einer Gemeinschaft auch erfüllt, bzw. erreicht werden können.

+ Sinn, Ziel und Auftrag christlicher Gemeinschaften ist es, das in Jesus begonnene Erlösungswerk Gottes zu bezeugen und fortzuführen. Die „Freiheit als Kind Gottes“ in dieser Welt zu leben, muss dadurch in allen Dimensionen erfahrbar werden. Treffender als Paulus das im Brief an die Galater beschrieben hat, kann man es wohl auch heute nicht sagen: „Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau, denn ihr seid „Einer“ in Christus Jesus“ (3,28 Dies ist für mich! kein „Steinbruchzitat“ sondern „die Summe/der gemeinsame Nenner“ des NT!). Diese Aufhebung aller Unterschiede in Rasse/Nationalität, gesellschaftlichen Rang/Stellung und Geschlechtsdifferenzen, muss auch heute der Maßstab allen kirchlichen Handelns sein.

Langer Rede, kurzer Sinn:

Die Zulassung verheirateter Frauen und Männer für den Leitungsdienst, der auch den Vorsitz in der Feier der Eucharistie inkludiert, ist eine dringende pastorale Notwendigkeit und theologisch absolut gerechtfertigt! Dies weiterhin zu verweigern, kann als „Sünde wider den Hl. Geist“ verstanden werden, da so der Wille Gottes am Wirken in der Welt gehindert wird.

Meine Re-Formulierung der Forderung der Pfarrerinitiative:
WIR WERDEN künftig einen Wortgottesdienst mit Kommunionspendung als „priesterliche Eucharistiefeier“ ansehen und auch so nennen, bis die Kirche durch offizielle legitimierte AmtsträgerInnen die volle/ursprüngliche Form der Eucharistiefeier wieder sicherstellt.

Gedanken eines Kollegen

Comments on: "Priesterlose Eucharistiefeiern gibt es nicht!" (9)

  1. Margit Neubauer schrieb:

    Wenn möglich, bitte ich um Bekanntgabe des/der Autoren, damit eine seriöse Weitergabe dieser Seite an Gemeinschaften gesichert ist.
    LG M.N.

  2. Margit Neubauer schrieb:

    Danke für die Antwort!
    Ich würde den Link für Wir-sind-Kirche (als Admin), Pfarrgemeinderat u.ä. weitergeben.
    MfG Margit

    • Dafür geb ich gerne meine Zustimmung!

      Ein dazu passender Spruch ist vielleicht:
      “Gedanken sind wie Läuse. Sie springen von Kopf zu Kopf – aber sie beissen nicht jeden.” ;-)

  3. Margit Neubauer schrieb:

    Die Re-Formulierung könnte, wenn ich die Erklärungen richtig verstehe und das, was die Pfarrerinitiative meint, berücksichtige, auch so sein: Pfarrerlose Eucharistiefeier bzw. EF ohne (anwesenden, zuständigen) Pfarrer.

    • Diese Formulierung ist mir ehrlich gesagt zu sehr auf die Pfarrgemeinden bezogen. Die Zukunft der Kirche wird vielfältiger und bunter seine (vgl. Zulehner, u.v.a) Im pastoralen Netzwerk gibt es auch Personal- Projekt- Themen-, Basis- Milieu- und viele andere Formen christlicher Gemeinden. Die Pfarrer von Pfarrgemeinden wären heillos überfordert, das alles “priesterlich” abdecken zu können. Gewiss sind und bleiben auch die Pfarrgemeiden weiterhin wichtige und zentrale Knotenpunkte in diesem Netzwerk. Aber auch Christenmenschen, die sich nicht auf dieser Ebene/in diesen Kreisen bewegen wollen/können, sollen die Eucharistie als Quelle und Gipfel des Glaubens erfahren dürfen. Dies kann nur gelingen, wenn der “Priesterdienst” ausgeweitet und bereichert wird. Hier ist auch die Pfarrerinitiative gefordert, den Horizont zu weiten und nicht nur auf den eigenen pastoralen “Schrebergarten” fixiert zu bleiben.
      Das ganze so zu organisieren, dass es gut funktioniert, d.h. die “eucharistische Grundgestalt” der Kirche sichert, ist eine rießengroße Herausforderung.
      Ich denke, wir sollten uns dabei auch immer wieder vor Augen halten, wie klein die Hausgemeinden im NT waren. Die (innere-spirituelle) Erneuerung der Kirche heute wird meines Erachtens nur über solch ähnliche “small-christian-communitis” gelingen. Ich denke, die Menschen heute, sind selber imstande zu sagen, was sie dafür an “priesterlicher Funktion” brauchen. Das sollte unbedingt berücksichtigt werden – auf allen Ebenen der “Amtskirche”
      Ich hoffe, ich mein Anliegen einigermaßen verständlich rübergebracht.

      • Margit Neubauer schrieb:

        Sehr verständlich! Sie gehen damit in eine weit offene Tür. Genau das sind auch meine / unsere Erfahrungen. Mir ging es nur um den Begriff, der ja auch sagen soll, dass es nicht mehr möglich ist, den Pfarrern alles aufzubürden und dass es neue Sichtweisen und Arten der Seelsorge geben muss. Viel weiter und flexibler (vielleicht auch ursprünglicher) sollten die Zusammenhänge gesehen werden. Beispiel: Besonders in der Trauerarbeit habe ich das bei jungen Menschen gesehen, die zu hundert zu einer Andacht für einen verunfallten Freund in unsere Filialkirche kamen und dort auch nachher noch im Schein ihrer Kerzenlichter noch lange verharrten. – Vielen Dank und liebe Grüße, Margit

  4. Peter Sutor schrieb:

    ChristInnen sollten´s schnell begreifen:
    Warum auf Papst und Bischof warten, wenn doch das Gute liegt so nah,
    lasst uns auf den Reformstau pfeifen! In Gottes Namen feiern! J A

  5. [...] Auch ein Kollege hat sich Gedanken gemacht. Hier nachzulesen. Dazu nur ein paar kurze Anmerkungen, lieber [...]

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